Soft Skills als Erfolgskriterium von Online-Projekten

Erstellt von Manuel Meinhard am Sa, 22.04.2017 - 12:05

Zahlen, Fakten und das reale Projekt

Erfolg E-Commerce

Kennzahlen und Auswertungen zum Projektverlauf und auch als Lerneffekt über mehrere Projekte hinweg sind gut und wichtig um Erfolge oder auch Misserfolge messbar zu machen und entsprechende Maßnahmen einleiten zu können. Aber wie misst man Soft Skills? Sie sind nicht in Zahlen zu erfassen und somit auch nicht in direkte Relation zum Projekterfolg zu bringen. Ich bin der Überzeugung, dass es aus Sicht der langfristigen Projekt-Erfolge, neben dem Controlling dieser Kennzahlen, ebenso Sinn macht, Zeit in Maßnahmen zu investieren, die die Soft Skills der Mitarbeiter stärken und die Einstellungskriterien noch mehr auf diesen Bereich auslegen.

Seit mehr als zehn Jahren bin ich im Projektgeschäft tätig und habe verschiedenste Projekte in den unterschiedlichsten Positionen abgeschlossen. Gerade als in den letzten Jahren die Projekte immer komplexer und anspruchsvoller wurden, ist mir ein - in meinen Augen wesentliches - Kriterium für den Erfolg und die Qualität eines Projektes immer wieder aufgefallen: Die Soft Skills der Teammitglieder hinter dem Projekt.

Hard und Soft Skills

Neben den Hard Skills, wie Erfahrung, fachliches Know-How und der Fähigkeit verschiedene Methoden effektiv anzuwenden, gibt es verschiedene Soft Skills wie z.B. Empathie, Kommunikationsfähigkeit und das Erkennen und Deuten der eigenen Motivatoren und Emotionen, die Mitarbeiter ausmachen - auch wenn sie sich nicht direkt in Zahlen messen lassen. Dies soll nicht heißen, dass Hard Skills keine Relevanz im Bezug auf den Erfolg eines Projektes haben - im Gegenteil - Hard Skills sind jedoch greifbarer und in zahlreichen Quellen schon ausreichend behandelt worden.

Meiner Meinung nach sind Soft Skills, gerade in komplexen Projekten (z.B. E-Commerce-Projekten), oft ein Faktor, der maßgeblich den Erfolg des Projektes bestimmt. Das Team muss auf sozialer Ebene ideal kommunizieren, agieren, sich verstehen und Hand in Hand arbeiten um gute Ergebnisse erzielen zu können. Die Effizienz dieser Skills steigt und fällt mit den geltenden Rahmenbedingungen, wie z.B. der Unternehmenskultur insgesamt, dem Level des Projektmanagements und den bestehenden Prozessen im Unternehmen oder der Agentur (Kommunikation, Qualität, etc.).

In größeren, strukturierten Teams, nimmt jeder Mitarbeiter eine entsprechende Rolle ein und somit gelten auch unterschiedliche Anforderungen an die Soft Skills und die Verantwortung, die er besitzt. Meiner Ansicht nach steigen mit der Höhe der Position des Mitarbeiters automatisch die Anforderungen an seine Soft Skills. Und somit kommen wir zur ersten Herausforderung:

Die Führungskraft

Die Anforderungen die an eine Führungskraft im Rahmen eines Projektes gestellt werden, sind vielschichtig. Bei ihr laufen alle Fäden zusammen. Andere Gewerke, ihre ihm zugewiesenen Mitarbeiter, externe Partner und Kunden und nicht zuletzt ihr Chef, haben zu unterschiedlchen Zeitpunkten unterschiedliche Anforderungen, über verschiedene Kanäle - und das aus den diversen Motiven heraus.

Die ideale Projekt-Welt

In einer idealen Projekt-Welt kennt die Führungskraft die Motive aller beteiligten Parteien, kann auf deren Bedürfnisse im angemessenen Maße eingehen und findet genügend Zeit sich um projektrelevante Themen zu kümmern - so bleibt das Know-How auf einem angemessenen Level und das Projekt selbst schreitet voran. Darüber hinaus kennt sie aber auch ihre eigenen Ziele und Motivatoren und kann diese mit denen der Teammitglieder vereinen um so das bestmögliche Ergebnis für das Projekt und das Team erreichen. Außerdem erkennt sie aus den verschiedensten Situationen heraus durch Empathie die aktuelle Gefühlslage des Gegenübers und kann motivieren, bremsen oder bestätigen.

Die reale Projekt-Welt

Die reale Projektwelt aber stellt Führungskräfte mitunter, gerade in starken Wachstums- und/oder arbeitsintensiven Phasen/Peaks, vor eine besondere Herausforderung, die langfristig auf das Team und dessen Projekte starke Auswirkungen haben kann. Die zu starke Einbindung von Führungskräften in die Projekte kann dazu führen, dass eigene Motivatoren und die der Mitarbeiter in den Hintergrund geraten - die Soft Skills können nicht greifen. Dies kann Prozesse verwischen und die Motivation des gesamten Teams senken.

Darüber hinaus spielt Motivation im Zusammenhang mit Kommunikation eine wesentliche Rolle - womit wir zur nächsten Herausforderung kommen:

Der Mitarbeiter

Der Mitarbeiter (Web-Entwickler, Designer, etc.) wird in der Regel vorwiegend an der Effizienz seiner Hard Skills gemessen, den Ergebnissen, die er aus seinem fachlichen Wissen heraus erzeugt - in welcher Qualität und im welchem Zeitrahmen.

Die ideale Projekt-Welt

In meiner idealen Projekt-Welt ist der Mitarbeiter sich seiner Motivatoren und denen seiner Kollegen bewusst. Er weiß, wie er mit welchem Kollegen kommunizieren muss und wo seine Stärken und Schwächen liegen. Genauso verhält es sich mit deinem Vorgesetzten. Ziele werden fokussiert abgestimmt und Ergebnisse nach erfolgreichem Testing kommuniziert. Darüber hinaus kennt er seine Verantwortlichkeit und die der anderen und kann so innerhalb des Teams Hand in Hand arbeiten um einen optimalen Erfolg für die Projekte, die er mit umsetzt gewährleisten.

Die reale Projekt-Welt

In der realen Projekt-Welt spielen die eigenen Motivatoren von Mitarbeitern ohne Führungsrolle oft eine große Rolle. Durch fehlende Kommunikation und offene Ansprache von Herausforderungen, entstehen Missverständnisse und langfristig können sich Einstellungen und Verhaltensweisen zu Kollegen und dem Chef verfestigen und somit den Projekt-Erfolg mindern.

Nicht selten habe ich festgestellt, dass Mitarbeiter ihre Wünsche und Anforderungen an das Projekt oder die Führungskraft nicht oder erst sehr spät äußern, wenn sie konkret darauf angesprochen wurden. Nicht zuletzt leidet darunter das gesamte Team. Womit wir zur letzten Herausforderung gelangen:

Das Team und die Gruppe

Gruppen stehen gerade direkt nach der Bildung vor einer besonderen Herausforderung: Ein Team zu werden. Manche Teams funktionieren von Anfang an sehr gut - nicht zuletzt, wenn die Soft Skills und die Motivatoren eines jeden Einzelnen gut übereinstimmen (z.B. eine qualitativ hochwertige Arbeit zu leisten). Oft sind Teams im eigentlichen Sinne aber erst einmal eine Gruppe, die sich zu einem Team zusammenfinden muss. Die Art der Kommunikation, die Prozesse und das Einstimmen aufeinander entwickeln sich mit der Zeit.

Der Kunde

Auch den Kunden möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen. Auch er hat Motive und Soft Skills, auch wenn es der ein oder andere aus dem täglichen Projekt-Leben nicht unbedingt vermuten mag. Aber auch hier bin ich der Meinung, dass Missverständnisse und nicht zufrieden stellende Projekt-Ergebnisse mit fehlender Kommunikation zu tun haben, genauso wie damit, dass die eigenen Motive ab und zu zu sehr in den Vordergrund gestellt werden. Welche Ziele und Motivatoren der Kunde wirklich, hat wird durch fehlendes Nachfragen - und wenn es mehr als einmal ist - mitunter nicht erkannt. Auch dies kann zu einer Eigendynamik führen, die Motivation und Einstellungen zu beteiligten Personen negativ beeinflusst.

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Ich bin mir bewusst, dass dieses und angrenzende Themen in zahlreichen Büchern und Artikeln oft behandelt wurden und dass es ebenso ausführliche Facharbeiten zu diesem Thema gibt. Darüber hinaus bin ich mir ebenfalls bewusst, dass es die ideale Projekt-Welt nie in der besten Ausprägung geben wird - was gut so ist, da durch Herausforderungen neue Ideen und Grundlagen zur konstruktiven Kommunikation entstehen. Jedes Projekt hat seinen Reiz, auch wenn es kurzfristig in einem komplett neu zusammengestellten Team realisiert werden muss.

Es ging mir darum auf verschiedene Sichtweisen innerhalb eines Teams hinzuweisen und herauszustellen, wie wichtig ein gesunder Team-Spirit für die gute Qualität der Projekte einer Agentur oder eines Unternehmens sind. Ich sehe die Arbeitsweise von Teams als einen sehr wichtigen Qualitätsfaktor von Projekten an, der - wenn man einmal mit dem Projekt gestartet ist - ab und an in den Hintergrund gerät.

Team- und Projektarbeit machen Spaß und werden in Zukunft immer stärkere Anforderungen haben, da die Komplexität von Online-Projekten steigt. Gerade in E-Commerce-Projekten ist dies meiner Ansicht nach besonders spannend.

Von Zeit zu Zeit mit Abstand auf das Projekt und das Team dahinter schauen

Vielleicht macht es ab und an Sinn, sich zurückzulehnen und zu überlegen wie wichtig einem selbst die Motivatoren der Mitarbeiter, die des Kunden und die Eigenen sind - und vor allem - welche dies überhaupt sind. Somit lassen sich die Eigenen und die Soft Skills der Anderen möglicherweise verbinden, damit ein besserer Projekterfolg erzielt werden kann - der sich langfristig als Teamerfolg in weiteren Projekten niederschlägt.